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Sozialistische Visionen

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Autor: Peter Andreas Schöbel
Quelle: Sächsischer Freidenker 50/2015

Auch heuer sind wieder viele Anbieter von Bauplänen für sozialistische Staatsgebäude unterwegs. Und sie versuchen uns klar zu machen, dass man unbedingt so einen Plan, und zwar ganz genau ihren, bräuchte, um ins neue Jerusalem eingehen zu können.Und oft berufen sie sich auf den schönen Marxschen Satz, wonach der dümmste Baumeister der klügsten Biene voraus hat, dass er das Haus im Kopfe fertig habe, bevor er es baut.
Nur leider: Keiner unserer Pläneschmiede kennt einen Baumeister, der bereit und willens ist, nach ihrem Plan zu bauen. Vielleicht ist der Baumeister gar nicht so dumm? Denn immerhin hat er schon Häuser gebaut. Auch wenn er nicht ganz klug ist: Die Baumeisterprüfung hat er bestanden. Kann man das von unseren stolzen Plananbietern auch sagen? Oder sind das nur Pläne von Wolkenschlössern, die sie da anbieten? Beim näheren Hinsehen zeigt sich: Es sind nicht einmal Wolkenkuckucksheime, sondern ziemlich triste Einsiedeleien, ja manchmal sogar Klosterzellen, die uns da geboten werden.
Und da unsere Projektanten aus dem Elfenbeinturm keinen Baumeister finden, werfen sie ihre Glasperlen unter die Säue – als solche betrachtet wohl ein Teil der Plan-Zeilenschinder ganz offensichtlich das gemeine Volk. Sie erwarten nun, dass sich der gemeine Mann darauf stürze und mit Hurra-Geheul ans Aufbauwerk stürme. So wie sie glauben, dass es einst die Leute unter Moses oder die Kreuzfahrer getan hätten und wie es schlechte Geschichten über sozialistische Revolutionen auch schon erzählt haben, wo es vor Edelmut nur so triefte. Und daher versuchen uns die Verkäufer der schlecht gehenden Ware einzureden, wir bräuchten Visionen – ganz genau wieder die von ihnen ausgearbeiteten.

Zwei besonders schöne Beispiele für Pläneschmiedereien seien stellvertretend genannt.
Da ist zum einen Helmut Dunkhase, Diplommathematiker, der in der IT-Technik die Chance für einen Planungssozialismus sieht. Seine Gedanken konnte man sich in der Wissenschaftlichen Konferenz des Freidenker-Verbandes 2011 in Dresden anhören. Nun, nach 4 Jahren, können wir diese Theorie auch in unserer Zeitschrift „Freidenker“ 2/2015 (S. 32 ff.) nachlesen und uns erneut darüber ärgern. Dabei ist Helmut Dunkhase durchaus noch der achtenswertere Pläneschmied, da bei ihm die künftigen Menschen einen durchaus ehrenwerten Platz einnehmen und er sich um deren Bedürfnisse sorgt. Ihnen soll sein Planungsjerusalem dienen.
Er hat fleißig den Marx studiert und ihn vielfach zur Begründung seiner Ideen angezogen. Gut, dass er dabei nicht unterscheidet zwischen gesicherten, fertig entwickelten Erkenntnissen (wie z. B. im „Kapital“) und Hypothesen und der aktuellen Politik dienenden Argumenten. Das machen alle so, die glauben, Marx zu nennen sei Beweis genug und die glauben, Marx habe schon bei seiner Geburt alles fertig im Kopfe gehabt und im Grunde alles nur noch aufschreiben müssen, Marx sei mit so etwas wie mit dem Unfehlbarkeitssyndrom geboren worden. Wer aber Marx gut kennt, weiß sehr wohl, dass er zum Beispiel noch 1849 der Auffassung war, dass der Lohn der Preis der Arbeit ist, während er später zu der Auffassung gelangte, dass der Lohn der Preis der Arbeitskraft ist. Das kann man in „Lohnarbeit und Kapital“ sehr gut verfolgen. Hat man die Dietz-Auflage der Marxschen Werke zur Hand, sieht man, dass Engels hier nach Marx‘ Tod die entsprechende Korrektur vorgenommen hat. Im Internet findet sich das Werk nur in der von Engels korrigierten Fassung. Es ist also schon etwas komplizierter mit dem guten alten Marx. Marx‘ Theorien haben also auch ihre Geschichte, die beachtet werden will. Auch da ist die absolute Wahrheit nicht zu haben.

Helmut Dunkhase möchte also den Produktionsprozess effizient planen, mittels Computer, und dabei die benötigte Arbeitszeit zu Grunde legen. Damit versucht er eigentlich nur den unsichtbaren Zusammenhang der Warenproduktion, das Wertgesetz, sichtbar zu machen. Und er möchte die vielen dem anarchischen Wirken dieses Gesetzes anhaftenden Verluste vermeiden. Dass dabei nur eine durchgeplante Gesellschaft herauskommen kann, die so trist ist, wie man sie sich nur vorstellen kann und in der niemand lange leben will, geht ihm dann auch auf. Also sieht er ein, dass sich die Wünsche der Menschen nicht immer durchplanen lassen und vom Plan abweichen können. Im letzten Teil seines Artikels führt er daher neben dem auf dem Wert (durchschnittlichen Arbeitsaufwand) basierenden Preis einen Ausgleichspreis für die Schwankungen von Angebot und Nachfrage ein (S. 36). Und damit ist er genau dort angelangt, wo die heutige Warenproduktion auch schon steht, bloß dass er einen Millionenaufwand an Rechenkunststücken dafür treiben muss. Letztlich ist sein Planungssozialismus entweder pingelig-diktatorisch, weil kein Ausbüchsen zulassend, oder teure Spielerei.
Interessant ist, dass Helmut Dunkhase auch Robert Owen und seine Versuche erwähnte (S. 35). Da sollte man schon wissen, dass dem am Ende die Leute weggelaufen sind (so wie später der DDR) und er zu der Einsicht kam, dass diese Leute im Grunde seine Sklaven waren.
Irgendwo weiß Helmut Dunkhase auch, dass es nicht nur an der richtigen Verteilung liegen kann, sondern dass das Ganze etwas mit Eigentum zu tun hat (S. 37). Aber genau diese entscheidende Richtung verfolgt er nicht weiter und begnügt sich damit, dass ein Eigentümerwechsel ausreichend sei. Dass es aber um das Wesen des Eigentümers und dessen Agieren und nicht um dessen Namen geht, merkt er genauso wenig, wie das viele vor ihm gemerkt haben. Dar war Lenin in „Über linke Kindereien und Kleinbürgerlichkeit“ (1918) aber schon weiter.

Ein anderer Vertreter sozialistischer Visionen ist Klaus Blessing, Diplombetriebswirtschaftler, Doktor der Ökonomie, ehemaliger ZK-Abteilungsleiter und in der Wendezeit stellvertretender Minister. Er hat 2014 das Buch „Die sozialistische Zukunft“ (edition berolina. Berlin) verfasst, in dem er begründet, dass wir den Sozialismus brauchen und in dem er das seiner Meinung nach richtige Grundgerüst für diesen liefert. Offen gesagt, beim näheren Hinsehen zeigt sich, dass sein Zukunftsbild alles andere als erfreulich ist. Ja es fragt sich sogar, ob es so viel besser, als die die Gegenwart ist. Denn wer ihm folgt, tauscht die heutige ungerechte gegen eine bevormundende und stagnierende Welt ein.
Mit seinem Fach, der Ökonomie, scheint er auf erheblichen Kriegsfuß zu stehen. So vertritt er die Auffassung, dass die DDR bei ihrem Ende keine Schulden gehabt hätte (S. 79 ff.), weil sie ja im Osten mehr offene Forderungen als im Westen Verbindlichkeiten hatte. Dass man im Westen nicht gut mit Ostgeld bezahlen und daher das eine nicht gegen das andere aufrechnen konnte, scheint er nicht zu realisieren. Den Unterschied zwischen Überschuldung und wachsenden Liquiditätsproblemen – was im Allgemeinen weit schlimmer ist – scheint er nicht kennen. Es sollte sich doch wohl bis ins ZK herumgesprochen haben, dass die DDR zur Kreditbedienung Produkte zu Schleuderpreisen verkaufen musste.
Genauso vertritt er die merkwürdige Ausfassung, dass der Kapitalismus schon deshalb in der Arbeitsproduktivität nicht zu schlagen sei, weil er ja Mensch und Natur mehr auspressen könne als der Sozialismus (am deutlichsten formuliert auf S. 242). Dass er hier nicht von der Arbeitsproduktivität, sondern von der Arbeitsintensität spricht, scheint er nicht im Entferntesten mitzubekommen.
Auch ist er der Auffassung, Wirtschaftswachstum bedeute immer Raubbau an Ressourcen (S. 88). Dass die DDR ein vorbildliches SERO-System hatte, dass der RGW über geschlossene Stoffkreisläufe diskutiert hat, dass es Überlegungen zu ressourcen- und energiesparenden Technologien gab, ist offensichtlich vor ihm geheim gehalten worden.
Ebenso betrachtet er die Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Wirtschaftswachstum als kein lohnendes Ziel, weil es ja beim Sozialismus und Kommunismus nicht die immer bessere Bedürfnisbefriedigung gehen könne (u.a. S. 87 f.). Dabei versteht er unter Bedürfnisbefriedigung offensichtlich nur individuell-materiellen Konsum. Kulturelle Bedürfnisse lässt er nur ausnahmsweise durchgehen. Gesellschaftlichen Konsum und Bedürfnisse nach Entwicklung von Bildung, Gesundheit etc. kennt er überhaupt nicht. Dass auch diese eine feste materiell-wirtschaftliche Entwicklung benötigen, geht ihm nicht auf. Er potenziert damit den wirtschaftliche DDR-Hauptfehler, Stagnation, und scheint es nicht im Mindesten zu ahnen.

Für einen künftigen Sozialismus wünscht er sich einen Sozialismus der Genügsamkeit (S. 215 f.), der fernab der Weltwirtschaft und ihrer unerbittlichen objektiven Bedingungen bleibt (S. 146). Was haben sich Marx und Engels bloß da ausgedacht, als sie zu der Auffassung kamen, dass globale Arbeitsteilung, globale Verflechtung Wesensmerkmal der neuesten Produktionsentwicklung (also der damaligen Industrie) sei? Natürlich weiß er, dass man ganz ohne die Außenwelt nicht auskommt und will daher den Wirtschaftsbeziehungen auf ein Minimum beschränken. Es geht ihm nicht auf, dass damit die gesamte Weltwirtschaft mit ihren Bedingungen hereinkommt und nicht aufzuhalten ist, wenn sie einmal eine Tür gefunden hat.
Überhaupt steht er mit Materialismus und Dialektik, der Objektivität gesellschaftlicher Gesetze und vielen Marxschen Kategorien, die er immer wieder benutzt, ganz erheblich auf dem Kriegsfuß. Es würde aber viel zu weit führen, dies hier näher auseinanderzunehmen.

Ganz infam ist aber Klaus Blessings Menschenbild. Als erstes beklagt er, dass der Sozialismus in der DDR davon ausging, dass der Mensch vom Prinzip gut sei (S. 16 f.). Nun wurde das in solcher Flachheit selbst von vielen Hofschranzen nicht gesagt, obwohl natürlich kein realistisches Bild von der Arbeiterklasse bestand, sondern ein idolisiertes Götzenbild. Im Übrigen war es auch nicht „der“ Sozialismus, der diese Bild pflegte, sondern das ZK der SED. Es waren Leute wie er, die diese unsinnigen und idealistischen Anschauungen streuten, die die Rolle der Arbeiterklasse nicht aus deren materiellen Wesen, sondern aus deren ideellen Charakter ableiteten, obwohl das in jedem Philosophielehrbuch anders zu lesen war. Klaus Blessing versteigt sich sogar zu der kindischen Frage: „Ist der Mensch gut oder böse?“ (S. 15). Und er kommt zum Schluss, dass die Gier nach Besitz eine entscheidende Triebkraft der menschlichen Natur(!) sei (S. 127). Für den modernen Menschentyp macht er den Konsumtrottel aus (S. 22). So etwas in einem Lande von sich zu geben, in dem viele Hartz-IV-Bezieher und -Aufstocker sowie viele weitere Menschen mehr schlecht als recht über die Runden kommen und auch die, die noch eine gut bezahlte Arbeit haben, vor Arbeit nicht aus den Augen gucken können und zunehmend unter psychischen Krankheiten leiden, ist abscheulich.
Ebenso makaber ist seine Haltung zur Arbeiterklasse. Es war das ZK, in dem er arbeitete, das die Arbeiterklasse zur Gottheit erklärt hatte und die Arbeiter an diesem falschen Menschenbild maß. Und Klaus Blessing nimmt diesem Maßstab noch heute, auch wenn er ihn ablehnt und „den Menschen“ als besitzgierig ausmacht (s. o.). So findet er, dass die Arbeiterklasse eben nicht die weltverändernde Rolle hat, die Marx feststellt (S. 153). Und er findet, dass die Arbeiter in der DDR ihr Eigentum nicht richtig verteidigt haben (S. 155). Von vielen Leuten bin ich bereit, mir solche Worte anzuhören, aber nicht von ehemaligen ZK-Mitarbeitern. Nach eigener Auffassung war die SED die Partei der Arbeiterklasse, Teil und Führung der Klasse. Und das ZK war zweifelsfrei der Kopf der SED. Dass das ZK der SED furchtbar versagt hatte, ist wohl ebenso zweifelsfrei. Und wenn der Kopf versagt, sollte der Kopf aufhören den Füßen Vorwürfe zu machen, dass sie in die falsche Richtung laufen. Der Fisch hat auch hier am Kopf angefangen zu stinken.
Die Arbeiterklasse hat nach Marx ihre Rolle objektiv, nicht wegen ihres charismatischen Charakters, sondern wegen ihrer materiellen Lebensumstände! In ihr gibt es genauso viele Heroen und Halunken, wie in jeder anderen Klasse und Schicht. Aber sie ist die einzige Klasse, die sich mit den Produktionsmitteln entwickeln muss. Die fortschrittlichsten Arbeiter sitzen heute nicht mehr im Stahlwerk oder an der Zeitungssetzmaschine, sondern vor dem Computer und haben einen Ingenieursabschluss. Sie verkaufen nicht mehr ihre körperliche, sondern ihre geistige Arbeitskraft an die Besitzer der entscheidenden Produktionsmittel – die Besitzer der Computernetzwerke, Programme und Daten.

Das Problem des Verhältnisses zur Arbeiterklasse war im Grunde auch die Ursache des Untergangs des Sozialismus in Osteuropa, auf die Klaus Blessing trotz alles Sinnierens nicht kommt (S. 84 ff.): Die SED hatte unter dem Honecker-ZK langsam aber sicher aufgehört, Teil der Arbeiterklasse zu sein. Man schaue sich doch einmal dieses ZK Person für Person an. Wer war da wirklich echter Arbeiter, gut gebildeter dazu, gehörte also zur Elite der Arbeiterklasse? Oder wer war wenigstens hochgebildeter Intellektueller mit klarem Bekenntnis zur Arbeiterklasse? Erich Honecker selbst hatte zwei Jahre auf dem Bauernhof gearbeitet, eine Lehre als Dachdecker abgebrochen und zweimal einen 10-Monate-Kurs Parteischule besucht. Und das war‘s in Sachen Arbeiterklasse und Intellekt. Günter Mittag, der Wirtschaftslenker, hatte sein Bahnlehre und dann in zwei Jahren Fernstudium sowohl Diplom als auch Doktorarbeit bewältigt. Guten Tag, Herr Guttenberg! Eine echte Verbindung zum gebildeten Teil der Arbeiterklasse, eine echte Verbindung zur fortschrittlichen Intelligenz war das sicher nicht, auch wenn man sich noch so gern als Arbeiter titulierte. Man kann es so formulieren: Mit Honecker setzte sich die kleinbürgerliche Linie in der Arbeiterbewegung und ihren politischen Organisationen durch. Alles Weitere war die Folge: Vernachlässigung der nationalen Frage, Herunterwirtschaften der Bündnispolitik in Gestalt der Nationalen Front, Verwechseln von Führung und Administration, ökonomische Stümperei. Betrachtet man die Sache so, klären sich die Ursachen. Da wundert man sich nicht über den Untergang der DDR, sondern darüber, dass die DDR unter dem Honecker-ZK so lange durchgehalten hat. Und wer SED-Mitglied war, hat der Arbeiterklasse nichts vorzuwerfen, ein führendes Mitglied wie ein ZK-Abteilungsleiter hat gleich gar nicht das Recht dazu! Der hat Abbitte zu leisten und zwar möglichst praktische!
Die Konsequenzen aus Klaus Blessings Menschenbild sind genauso übel wie dieses Bild: Er wünscht die Reglementierung der Bedürfnisse der einfachen Menschen und möchte Bedürfnisse daher neu definieren (S.92ff.). Klaus Blessing entgeht in seiner Abkehr vom Materialismus dabei, dass Bedürfnisse, ehe sie subjektiver Produktionsgrund eines neuen Produktionszyklus werden, längst Produkt eines vorhergehenden Produktionszyklus sind und also nicht so einfach reglementiert werden können. Aber das wollen wir ihm hier schenken. Das begreifen Anhänger eines philosophischen Idealismus ohnehin nie. Dass es aber äußerst menschenfeindlich ist, Vorschriften über Bedürfnisse zu machen, sollte man ihm nicht schenken. Und gleich gar nicht, dass er dann noch den entwickelten Industriestaaten, also der westlichen Welt, ein mehr an höheren Bedürfnissen zuspricht als dem Rest der Welt (S. 92). Da wird es schon chauvinistisch: Erst plündert die westliche Welt den Rest der Welt aus und dann meint so ein Möchtegern-Sozialist auch noch, die Erfolge des Raubzugs absegnen zu müssen.
Bei Blessing kommt am Ende ein stagnierender Askese-Sozialismus heraus, gegen den jedes Kloster ein Hort für Lustbarkeiten ist. Nun sind das ja keine so ganz neuen Projekte. Schon Marx hat sich da lustig gemacht: „Er proklamierte die deutsche Nation als die normale Nation und den deutschen Spießbürger als den Normalmenschen. Er gab jeder Niederträchtigkeit desselben einen verborgenen, höheren, sozialistischen Sinn, worin sie ihr Gegenteil bedeutete. Er zog die letzte Konsequenz, indem er direkt gegen die ‚rohdestruktive‘ Richtung des Kommunismus auftrat und seine unparteiische Erhabenheit über alle Klassenkämpfe verkündete. Mit sehr wenigen Ausnahmen gehört alles, was in Deutschland von angeblich sozialistischen und kommunistischen Schriften zirkuliert, in den Bereich dieser schmutzigen, entnervenden Literatur.“ Dies stammt aus dem Kommunistischen Manifest, (III. Kommunistische und sozialistische Literatur, 1. Der reaktionäre Sozialismus, c) Der deutsche oder ‚wahre‘ Sozialismus) und passt wie die Faust aufs Auge.

Zum Glück findet sich niemand, der es ernstlich vorhat, die obigen Sozialismus-Visionen in die Tat umzusetzen. Die Arbeiterklasse scheint doch klüger zu sein, als ihr einige „wahre“ Sozialisten zubilligen wollen. Und da praktisch veranlagt, dürften ihr andere Probleme wichtiger sein. Sicher: Zukunftsbilder sind schön. Aber wenn es nicht gelingt, die heutigen Probleme zu lösen, hat die Zukunft keine Chance. Und das wichtigste heutige Problem ist der USA-Imperialismus. Die USA überziehen in ihrem Profit- und Vorherrschaftswahn die Länder und Völker mit Krieg, zerstören Staaten und Umwelt, erzeugen eine Völkerwanderung von Flüchtlingen und Katastrophen. Und in Europa ist die USA dabei, Europa und Russland in einen verheerenden, alles vernichtenden Krieg zu drängen. Wenn es nicht geschafft wird, dieses Problem zu lösen und die USA von ihrem Sockel zu holen und auf die Plätze zu verweisen, kann man zu jeder Art von Zukunftsvorstellungen Ade sagen. Wem das aber gelingt, der ist schon auf dem Wege zu einer anderen, besseren Welt, letztlich zu einer sozialistischen Welt. Und auch wenn Klaus Blessing im VIII. Kapitel seines Buches kein gutes Haar an China lassen will: Er kann auch nicht abstreiten, dass China der USA Paroli bietet und eine entscheidende Friedensmacht ist. Was er übersieht: Genau das sind die gegenwärtig drängendsten Fragen. Und ein Staat und eine Partei, die das bewusst in Angriff nehmen, die also Weltwirtschaft und Weltpolitik aus dem Druck der USA befreien wollen, die sind ganz sicher auf dem Weg zum Sozialismus. Allein das sollte als Großtat anerkannt werden.
Humanistische Ideale sind zweifelsfrei wichtig. Was wir aber nicht brauchen, sind versponnene Sozialismusvorstellungen, sondern ein klares Verständnis von den Vorgängen und Problemen in dieser Welt, und tatkräftiges Handeln zum Lösen dieser Probleme. Sozialismusvorstellungen können nicht theoretisch erdacht, sondern müssen in der Praxis erarbeitet und erkämpft werden. Nur wenn sich die sozialistische Bewegung und die fortgeschrittenen Teile der Arbeitenden eins sind, kann das geleistet werden, wenn also Tatkraft und Wissen zusammenfinden. Ohne Niederringen der kleinbürgerlichen Richtungen in der sozialistischen Bewegung, die die DDR und die anderen sozialistischen Staaten vernichtet hat, und ohne Absage an linke Kindereien wird das nicht gehen.

Dieser Beitrag wurde am Freitag, 18. September 2015 um 22:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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